Wie man ein datengesteuertes Treueprogramm aufbaut

„Es macht mir Angst, dass ihr in drei Monaten mehr über meine Kunden erfahren habt als ich in 30 Jahren“, sagte Lord McLorin, Vorsitzender des Verwaltungsrats von Tesco, nach der Präsentation der Ergebnisse der Clubcard-Testphase. Zu diesem Zeitpunkt waren die Plastikkarten nur in wenigen Filialen im Einsatz, und das Unternehmen selbst glaubte nicht sonderlich an diese Idee. Die Konkurrenten verglichen die Karten mit den Papiermarken, die die Geschäfte Jahrzehnte zuvor verwendet hatten. Nach der landesweiten Einführung der Clubcard überholte Tesco jedoch schnell Sainsbury’s und wurde zur größten Supermarktkette Großbritanniens. Die Clubcard ermöglichte es Tesco, einzelne Einkäufe mit bestimmten Kunden zu verknüpfen, deren Gewohnheiten zu erkennen und Konsumzyklen besser zu verstehen.

Nach dieser Logik funktioniert ein modernes Treueprogramm: Es fördert Wiederholungskäufe und liefert dem Unternehmen gleichzeitig Daten für die Entscheidungsfindung. In diesem Artikel werden wir untersuchen, welche Mechanismen der Kundenbindung es gibt, wie Daten deren Effektivität steigern und was bei der Integration des Programms in ein CRM-System zu beachten ist.

Warum brauchen Unternehmen ein Treueprogramm?

Was ist ein Treueprogramm? Es handelt sich um ein Belohnungssystem, das Kunden zu Wiederholungskäufen motiviert und Unternehmen dabei hilft, Daten über das Kundenverhalten zu sammeln. Ein Treueprogramm ist ein für beide Seiten vorteilhafter Austausch: Der Kunde erklärt sich bereit, Daten über sein Verhalten preiszugeben, und das Unternehmen bietet ihm dafür nützliche Prämien und personalisierte Angebote. Wenn dieser Austausch geschickt gestaltet wird, lässt sich daraus weit mehr gewinnen als nur Wiederholungskäufe.

Statistik: Was kostet es, einen Kunden zu binden, im Vergleich zur Neukundengewinnung?

Hier sprechen die Zahlen für sich. Je nach Branche kostet die Neukundengewinnung ein Unternehmen 5- bis 25-mal mehr als die Kundenbindung. Andere Studien zeigen einen noch deutlicheren Effekt: Eine Steigerung der Kundenbindungsrate um nur 5 % kann den Gewinn eines Unternehmens um 25–95 % erhöhen. Daher kann ein Treueprogramm erhebliche Erträge bringen, vorausgesetzt, seine Funktionsweise stützt sich auf reale Kundendaten.

Welche Unternehmen profitieren am meisten von Treueprogrammen?

Die größte Wirkung entfaltet ein Kundenbindungsprogramm dort, wo regelmäßige Wiederholungskäufe stattfinden und genügend Transaktionen vorliegen, um statistisch aussagekräftige Daten zum Kundenverhalten zu sammeln:

  • Online-Shops und Einzelhandel. Hier wirkt sich die Kundenbindung direkt auf den durchschnittlichen Warenkorbwert und die Kaufhäufigkeit aus, und die gesammelten Daten helfen dabei, sieben Kennzahlen des Online-Shops zu verfolgen, darunter Konversionsraten, Wiederkäufe und Kundenwert.
  • Gastronomie- und Unterhaltungsdienstleistungen. Für sie ist es wichtig, aus einem einmaligen Besuch eine regelmäßige Rückkehrgewohnheit zu machen.
  • Finanz- und Telekommunikationsdienstleistungen: Diese Unternehmen interagieren regelmäßig mit ihren Kunden und arbeiten mit langfristigen Verträgen oder Abonnements.
  • B2B mit einem komplexen Transaktionszyklus. Hier funktioniert Kundenbindung durch personalisierte Konditionen und Status anstelle von Boni.

Für Unternehmen mit einmaligen Käufen (beispielsweise beim Verkauf von Immobilien) ist ein vollwertiges CRM-Treueprogramm hingegen in der Regel weniger relevant. In solchen Fällen ist es sinnvoller, Empfehlungen, den Kundendienst und Partnerschaftsprogramme auszubauen.

Arten von Loyalty-Programmen

Die Arten von Loyalty-Programmen unterscheiden sich in der Logik, nach der der Kunde einen Vorteil erhält. Die Wahl sollte auf der Grundlage des Einkaufszyklus und der Produktmarge getroffen werden. Was für ein Café funktioniert, muss im teuren B2B-Segment nicht das gleiche Ergebnis bringen.

Bonussystem

Das am weitesten verbreitete Format eines Customer-Loyalty-Programms ist das Bonussystem, bei dem der Kunde für Einkäufe Punkte sammelt und diese später gegen Rabatte, Waren oder andere Prämien eintauschen kann. Die Mechanik ist einfach zu implementieren und für den Kunden von Anfang an verständlich, weshalb sie oft den Startschuss für ein Loyalty-Programm für einen Online-Shop gibt. Das größte Risiko ist die Entwertung der Punkte, wenn die Schwelle für den Umtausch ständig steigt: Die Kunden bemerken dies und verlieren schneller das Vertrauen, als man denkt.

Cashback

Anstelle von fiktiven Punkten wird dem Kunden ein Teil des ausgegebenen Betrags in Form von Geld oder einem Bonusäquivalent auf das interne Guthaben zurückerstattet. Der Vorteil von Cashback liegt in seinem transparenten Geldwert: Der Kunde muss die Punkte nicht selbstständig in einen Rabatt umrechnen. Ohne angemessene Analytik ist Cashback jedoch schwierig an die Marge der Produkte, das Verhalten verschiedener Segmente und die Unternehmensziele anzupassen.

Tier-System (Statusstufen)

Ein aktuelles Beispiel für das Stufenmodell ist die Aktualisierung von Starbucks Rewards im Jahr 2026. Nachdem das Unternehmen mehrere Jahre lang ohne Statusstufen gearbeitet hatte, führte es drei Teilnehmerkategorien mit unterschiedlichen Vorteilen und Geschwindigkeiten beim Sammeln von Prämien wieder ein. Damit möchte Starbucks aktive Kunden besser belohnen und ihnen zusätzliche Motivation bieten, die nächste Stufe zu erreichen. Nun gibt es bei Starbucks Rewards wieder drei Stufen mit unterschiedlicher Sterne-Sammelgeschwindigkeit. Die Lehre ist einfach: Ein Loyalty-System ohne Abstufung belohnt alle gleichermaßen – und somit niemanden wirklich.

Koalitionsprogramm

Die Bündelung mehrerer unabhängiger Marken um eine gemeinsame Bonuswährung wirkt auf dem Papier attraktiv, hält in der Praxis jedoch nur durch ein sehr fragiles Gleichgewicht der Interessen. Ein Paradebeispiel ist das amerikanische Plenti von American Express, an dem zunächst Macy’s, AT&T, Exxon und einige andere große Player beteiligt waren. Das Programm wurde 2018 nach dem Austritt mehrerer wichtiger Partner eingestellt. Zu den Problemen gehörten eine geringe Aktivität der Teilnehmer, mangelnde Bekanntheit und die Schwierigkeit, die Interessen verschiedener Marken unter einen Hut zu bringen. Für den ukrainischen Markt kann das Koalitionsmodell für Nischen-, aber sich ergänzende Unternehmen geeignet sein, deren Zielgruppen tatsächlich Überschneidungen aufweisen.

Abonnement

Der Kunde zahlt einen regelmäßigen Beitrag und erhält dafür ständige Vorteile, von kostenlosem Versand bis hin zu exklusiven Inhalten. Dieses Modell funktioniert gut, wenn man dem Kunden außer einem Rabatt noch etwas bieten kann: Der Wert des Abonnements liegt in einem stetigen Strom klarer und begehrter Vorteile.

Wie Daten ein Loyalty-Programm effektiv machen

Die Mechanik ist nur die äußere Hülle. Was aus einer einfachen Bonuskarte ein vollwertiges datengesteuertes Loyalty-Programm macht, verbirgt sich im Inneren: in der Art und Weise, wie das Unternehmen Informationen über jeden Einkauf verarbeitet.

Kundensegmentierung

Ohne Segmentierung erhalten alle Programmteilnehmer die gleichen Angebote, von denen ein erheblicher Teil nicht ihren Interessen oder aktuellen Bedürfnissen entspricht. Die Einteilung der Kunden nach Kaufhäufigkeit, durchschnittlichem Warenkorbwert und Interesse an bestimmten Kategorien hilft dabei, relevanten Segmenten passende Angebote zu unterbreiten.

Personalisierung von Angeboten

Die Personalisierung von Angeboten ist die Folge einer qualitativ hochwertigen Segmentierung: Einem Kunden, der Babyartikel kauft, wird kein Rabatt auf Alkohol angeboten. Ein anschauliches Beispiel ist das System personalisierter Empfehlungen, das wir für die Kinokette Planeta Kino entwickelt haben: Anstelle von Massenmailings wählt der Algorithmus Push- und E-Mail-Benachrichtigungen für den einzelnen Zuschauer auf der Grundlage seiner Sehhistorie aus, was die Conversion in den Kommunikationskanälen direkt erhöht hat. An diesem Punkt reichen die Möglichkeiten von Excel-Tabellen in der Regel nicht mehr aus. Die Einführung von BI-Analytik hilft, Daten zu vereinen und Verhaltensmuster der Kunden im Zeitverlauf zu verfolgen.

Prädiktive Analytik

Die reifste Stufe ist erreicht, wenn die Analyse des Loyalty-Programms nicht nur die Vergangenheit beschreibt, sondern die Zukunft vorhersagt: Welche Kunden sind von Abwanderung bedroht, wem sollte man ein Upsell-Angebot machen und bei wem lässt das Interesse an der Marke bereits nach? Heutzutage können für solche Analysen vorgefertigte BI-Tools, CRM-Plattformen und Machine-Learning-Modelle verwendet werden, die mit Transaktions- und Kommunikationsdaten integriert sind.

Kennzahlen zur Wirksamkeit von Loyalty-Programmen

Bevor man darüber spricht, wie man ein Loyalty-Programm erstellt, das den Gewinn tatsächlich beeinflusst, sollte man sich darauf einigen, anhand welcher Zahlen der Erfolg überhaupt gemessen wird. Ohne dies wird jedes CRM-Loyalty-System zu einer schönen Schaufensterdekoration, ohne dass man weiß, ob es tatsächlich funktioniert.

Retention Rate (Kundenbindungsrate)

Die Retention Rate zeigt, wie hoch der Anteil der Kunden ist, die über einen bestimmten Zeitraum aktiv geblieben sind. Die Formel lautet:

Retention Rate = (Kunden am Ende des Zeitraums − neue Kunden) ÷ Kunden zu Beginn des Zeitraums × 100 %.

Dies ist die Basiskennzahl, mit der man starten sollte. Bereits ein Anstieg um wenige Prozent kann den Gewinn des Unternehmens spürbar erhöhen.

CLV (Customer Lifetime Value)

Der CLV zeigt den prognostizierten Wert eines Kunden für das Unternehmen über die gesamte Dauer der Interaktion. Ein Loyalty-Programm wirkt sich direkt auf diese Kennzahl aus: Je genauer das Unternehmen die Angebote auf den einzelnen Kunden zuschneidet, desto länger bleibt dieser aktiv und desto höher wird sein Lifetime Value.

Redemption Rate (Einlösequote)

Dies ist der Prozentsatz der gutgeschriebenen Boni oder Punkte, die von den Kunden tatsächlich eingelöst wurden. Der weltweite Durchschnittswert liegt bei etwa 50 %, das heißt, etwa die Hälfte der gutgeschriebenen Prämien bleibt ungenutzt. Eine niedrige Quote kann auf komplizierte Regeln, unattraktive Prämien oder eine zu hohe Schwelle für die Einlösung von Punkten hinweisen. Eine sehr hohe Redemption Rate sollte zusammen mit der Marge analysiert werden, damit die Kosten für die Prämien die Einnahmen aus Zusatzkäufen nicht übersteigen.

Wie man ein Loyalty-Programm in CRM integriert

Ohne Integration in das CRM führt die Loyalty-Mechanik ein Eigenleben getrennt von den übrigen Geschäftsprozessen: Das Marketing sieht andere Daten, der Kundenservice andere und der Inhaber einen zusammengefassten Bericht, der einen Monat alt ist. Die Integration vereint die Einkaufshistorie, den Bonussaldo und die Kommunikation mit dem Kunden in einem einzigen Profil.

Salesforce für Loyalty-Programme

Vorgefertigte Lösungen wie Salesforce Loyalty Management eignen sich für Unternehmen, die einen schnellen Start ohne die Entwicklung des gesamten Systems von Grund auf benötigen. Basismechaniken – Punktevergabe, Statusstufen und Gutscheine – sind innerhalb der Plattform bereits verfügbar. Gleichzeitig kann eine vorgefertigte Plattform die Flexibilität einschränken: Nicht standardmäßige Mechaniken und spezifische Geschäftsprozesse müssen an ihre Architektur angepasst werden.

Individuelle Entwicklung

Wenn ein Unternehmen über vorgefertigte Vorlagen hinausgewachsen ist oder ein untypisches Verkaufsmodell hat, ist es sinnvoller, ein System für die spezifischen Prozesse zu entwickeln – entweder von Grund auf oder auf der Basis eines flexiblen Frameworks. Dieses kann in bestehende CRM- und E-Commerce-Lösungen integriert werden. Eine solche Entwicklung erfordert zwar mehr Zeit und Investitionen zu Beginn, ermöglicht aber die Umsetzung von Mechaniken, die von vorgefertigten Plattformen nicht unterstützt werden.

Wie IWIS hilft: Von der Entwicklung der Mechanik bis zur Erfolgsanalyse

Bei IWIS entwickeln wir Loyalty-Systeme maßgeschneidert für spezifische Geschäftsprozesse: Wir wählen die Mechanik aus, integrieren sie in das CRM und richten die Erfolgsanalyse ein. Wenn ein Unternehmen bereits eine Einkaufshistorie gesammelt hat, diese aber noch nicht für Segmentierung und Personalisierung nutzt, können wir die BI-Analytik auch separat einführen, ohne das bestehende System vollständig umzubauen.

Kostenlose Beratung von IWIS

Planen Sie die Einführung eines Treueprogramms oder möchten Sie die Effektivität Ihres bestehenden Systems bei der Datennutzung überprüfen? Dann fordern Sie eine kostenlose Beratung an. Wir analysieren Ihr Vertriebsmodell, schlagen Ihnen passende Mechanismen vor und definieren die ersten Schritte für die Implementierung.

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Jewhen Medwedskij
Über den Autor

Jewhen Medwedskij

CEO 20

Mitbegründer und Geschäftsführer von IWIS. Entwickelt die langfristige Unternehmensstrategie, verantwortet die Geschäftsentwicklung und zentrale Partnerschaften. Kennt den B2B-Markt von innen und konzentriert sich auf Produkte, die echte Kundenprobleme lösen.

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